Marktplatz für Handgemachtes
23.09.2016, 09:07 Uhr
Amazon startet "Handmade at Amazon" in Deutschland
Amazons Marktplatz für Handgemachtes "Handmade at Amazon" geht an den Start. Verkaufen dürfen hier nur Kunsthandwerker und die Produkte müssen manuell hergestellt sein - industriell angefertigte Waren müssen draussen bleiben.
Amazon launcht heute seinen Marktplatz für handgefertigte Produkte "Handmade at Amazon" in Deutschland, Italien, Spanien, England und Frankreich. Hierzulande präsentieren sich zum Start des Marktplatzes für Selbstgemachtes rund 1.000 Kunsthandwerker. Insgesamt bieten sie 30.000 Produkte an, von denen etwa 10.000 Artikel auch personalisierbar sind. Das heisst, der User kann für einen Artikel individuelle Wünsche angeben und der Hersteller fertigt das Produkt nach diesen Vorgaben an. Derzeit können sich Nutzer Artikel aus zehn Produktkategorien auswählen, unter anderem Schmuck, Wohnaccessoires, Kunstwerke, Küchenutensilien und Möbel.
Nur Kunsthandwerker sind zugelassen
Zugang zur Plattform erhalten derzeit nur Verkäufer, die sich bei Amazon bewerben und zweifelsfrei verifizieren können, dass sie Kunsthandwerker sind und ihr Produkte per Hand anfertigen.
Industriell-hergestellte Produkte sollen nach Angaben von Amazon nicht auf der neuen Plattform zur Verfügung stehen. User können auf den fünf europäischen Webseiten selbstgemachte Porukte von Handwerkern aus über 40 Ländern entdecken. Jede Seite informiert den User durch ein "Länder-Icon" darüber, aus welchem Land der Verkäufer stammt. Ausserdem könne Nutzer über einen Link zum individuellen Profil des Verkäufers gelangen.
Individuelle Händlerprofile
Auf den individuellen Händlerprofilen erfahren User alles über die Entstehungsgeschichte des Unternehmens und die Intention, die hinter der Herstellung der Produkte liegt. Anders als bei den ursprünglichen Amazon-Seiten sieht man auch auf den Produktseiten gleich, worauf der Fokus liegt: Die Artikelbilder sind wesentlich grösser und auch dem Beschreibungstext wird mehr Platz eingeräumt. Zudem sieht man rechts im Fenster ein Bild des Kunsthandwerkers mit einem prominent platzierten Hinweis für die persönliche Kontaktaufnahme.
In den USA ist "Handmade at Amazon" bereits vor etwa einem Jahr an den Start gegangen. In den vergangen Monaten hat sich hier die Zahl der teilnehmenden Kunsthändler mehr als verdoppelt.
Das erhoffen sich die Kunsthandwerker
Zum Start von "Handmade at Amazon" müssen die Kunsthandwerker an Amazon eine Provision von zwölf Prozent abgegeben. Später wird sich diese dann auf 15 Prozent erhöhen. Für Händler kann der neue Marktplatz eine Chance sein, den Kundenstamm zu erweitern und Produkte auch international zu vertreiben.
Das erhoffen sich auch die zwei Gründerinnen Anja und Yvi von der Manufaktur Liebevoll aus Berlin. In ihrem Shop auf "Handmade at Amazon" können User individuelle Wohnaccessoires, Schmuck sowie Kunstdrucke erwerben.
Auch die Betreiber der Galerie art:ig aus München sind zum Start des neuen Marktplatzes dabei. Bisher haben sie in Sachen online nur Erfahrungen mit ihrem eigenen Online Shop gesammelt - auf einem Marktplatz waren sie bisher nicht präsent. Dementsprechend gespannt sind sie, wie sich die Präsenz auf "Handmade at Amazon" auf ihr Geschäft auswirken wird. "Wir lassen erstmal alles auf uns zukommen. Falls wir die Bestellungen nicht mehr mit unserem Team bewältigen können, müssen wir uns eben nach und nach vergrössern", sagt Galerieinhaberin Chryssi Tsiaoussi.
Die Betreiber von "Haeute" sind hingegen, was die Präsenz auf Online-Marktplätzen angeht, etwas erfahrener. Bisher haben sie ihre Lederprodukte über den eigenen Online Shop und über den Marktplatz für Handgemachtes Etsy vertrieben. Die Plattform DaWanda kam für sie nicht in Frage: "Auf DaWanda bietet zumindest gefühlt mittlerweile jeder seine Sachen an, egal ob sie von Hand oder industriell gefertigt sind. Daher wollten wir hier unsere Lederwaren nicht verkaufen. Bei Amazon ist das anders. Wir mussten uns als Kunsthandwerker bewerben und haben den Zugang zu 'Handmade at Amazon' nicht einfach so bekommen", sagt Marion Klatt von Haeute.
Wie sich der neue Amazon-Marktplatz für Handgemachtes entwickeln wird, ob er an die Erfolge aus den USA anknüpfen kann und welche Erfahrungen die Händler auf "Handmade at Amazon" machen werden, wird sich in einigen Monaten zeigen.