Warum Twitter nicht tot ist und wie die Zukunft aussieht

Kulturelle Unterschiede

Die Möglichkeiten des Kurznachrichtendienstes hat - zumindest in Deutschland - eine spitze Zielgruppe für sich erkannt. Es sind Vertreter aus den Bereichen Journalismus, Unternehmenskommunikation, Marketing sowie der Tech- und Start-up-Szene, die Twitter hierzulande intensiv nutzen. "Twitter ist ein Paradies für News Junkies und Liebhaber kontroverser Diskussionen", fasst ARD-Korrespondentin Nicole Markwald zusammen.
Daraus ergeben sich zwei weitere Chancen von und für Twitter: Der Dienst eignet sich aufgrund der Nutzergruppe gut für "personenbezogenens Online-Reputationsmanagement und die Positionierung einer Marke als Thought- und Innovation-Leader", wie es Bastian Scherbeck, Head of Digital Interaction bei der Hamburger Kommunika­tionsagentur Kolle Rebbe, ausdrückt.
"Es gibt auch Dinge, die ihre Berechtigung haben, wenn sie nicht für die Masse konzipiert sind. Sonst gäbe es vermutlich auch keine Ferraris und kein Futter für Goldfische mehr", sagt David Eicher, Geschäftsführer der Territory Webguerillas.
Ein Konzept, das in Deutschland jeden Monat 12 Millionen Menschen dazu verleitet, sich einzuloggen und die Plattform aktiv zu nutzen. Das sind mehr als bei den gehypten Apps Instagram (9 Millionen) und Snapchat (9 Millionen). Trotzdem ist es Twitter in Deutschland nie gelungen, in die breite Masse vorzudringen. Global nutzen immerhin 317 Millionen User jeden Monat den Dienst von Jack Dorsey - seit dem ersten Quartal 2015 (302 Millionen Nutzer) stagniert die Zahl der Neuanmeldungen im Vergleich zu anderen Netzwerken jedoch auch weltweit.
Warum Twitter in den USA trotzdem ­eine grössere Rolle spielt als in Deutschland liegt zum einen an der Sprache. Während es im Englischen viele kurze Worte gibt, zeichnet sich das Deutsche eher durch lange und umständliche Konstruktionen aus - für einen Kurznachrichtendienst, der lange Zeit ein 140-Zeichen-Limit als Hauptmerkmal hatte, eine schlechte ­Voraussetzung. Zum anderen kommt ein kultureller Unterschied hinzu. "Stark vereinfacht: In den USA ist das öffentliche Verlautbaren der eigenen Meinung doch deutlich stärker in der Kultur verankert als in Deutschland", erläutert Kolle-Rebbe-Manager Scherbeck.




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